Was der Libanon mit Syrien zu tun hat und welche Rolle die Hizbollah dabei spielt

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Seit dem Ausbruch des Konfliktes in Syrien im Jahr 2011 hat sich im Libanon nicht nur die humanitäre Situation, sondern vor allem die Sicherheitslage entscheidend verändert. Der Bürgerkrieg wurde über die Grenzen in den Libanon hineingetragen, worunter der schwache Staat leidet. Mächtige Interessensgruppen aus Syrien erzeugten sowohl politisch als auch militärisch Turbulenzen. Die beiden Hotspots, in denen die Auswirkungen des syrischen Bürgerkrieges im Libanon besonders deutlich zu spüren waren, sind die nördliche Bekaa-Ebene und die zweitgrößte Stadt Tripoli. Von der größeren Situation aber profitiert vor allem ein Akteur: die Hizbollah.

Syrisch-Libanesische Beziehungen

Die Spuren des von 1975 bis 1990 dauernden Bürgerkrieges sind im Straßenbild von Beirut noch immer sichtbar. Die religiösen Spannungen, die das gesamte politische System auch heute noch durchdringen, waren in den 1970er Jahren der Auslöser des Bürgerkrieges. Der Strom an Plästinensern in das Land, sowie der Umzug der PLO nach Beirut Anfang der 1970er, nachdem sie von der jordanischen Armee im Zuge des Schwarzen Septembers vertrieben wurden, brachte eine zusätzliche Kraft in den Bürgerkrieg.

Baschar al-Asad, genauso wie sein 2000 verstorbener Vater Hafiz, pflegte enge Beziehungen zu den maronitischen Christen im Libanon, was zu einer offenen Intervention der syrischen Armee gleich zu Beginn des Bürgerkrieges führte. Die Maroniten gingen aus der französischen Kolonialzeit als stärkste politische Gruppe hervor und stellen bis heute den Präsidenten des Landes. Entgegen dem Abkommen von Taif, das den Abzug der syrischen Truppen bis 1991 vorsah, blieb die syrische Armee im Land; der syrische Einfluss auf höchste staatliche Kreise im Libanon verhinderte offizielle Forderungen nach einem Abzug der zeitweise bis zu 40.000 Soldaten. Mit dem Abzug der israelischen Truppen aus dem Südlibanon im Jahr 2000 erhöhte sich der Druck, aber erst infolge der durch die Ermordung des ehemaligen Premierministers Rafic Hariri ausgelösten Zedernrevolution 2005 verließen die letzten syrischen Einheiten den Libanon. Drei Jahre später erkannte Syrien den Libanon als Staat an, indem die beiden Länder erstmals seit ihrer Unabhängigkeit von Frankreich diplomatische Beziehungen etablierten.

Der syrische Bürgerkrieg schwappt über

Während einige Landesteile, wie etwa die gebirgigen Regionen des Libanon weitgehend unberührt vom  Bürgerkrieg in Syrien bleiben, sind die Auswirkungen auf den kleinen Mittelmeerstaat an zwei Orten besonders deutlich spürbar. Einerseits in Tripoli, der zweitgrößten Stadt, die etwa 80 Km nördlich von Beirut und nur rund 30 Km von der syrischen Grenze entfernt liegt, und andererseits in der nördlichen Bekaa-Ebene rund um die Stadt Arsal, wo die Lage nach der Festnahme eines syrischen Rebellenkommandanten eskalierte. Spätestens damals wurde sichtbar, wie viele Waffen und ehemalige Kämpfer sich in den Flüchtlingslagern rund um Arsal befanden und wie entschlossen diese waren, ihre Interessen durchzusetzen und dabei die libanesische Armee herauszufordern.

Warum aber ist der Konflikt am stärksten auf den Libanon übergeschwappt, und nicht auf Jordanien oder die Türkei, die ebenfalls Millionen von Syrern aufgenommen haben?

Die Türkei hat eine ganz andere Form des Umgangs mit Flüchtlingen und Migranten, da im türkisch-syrischen Grenzgebiet ein Überschwappen des Konfliktes, der durch die starke Präsenz der PKK verstärkt wird, befürchtet wurde. Aus diesem Grund intervenierte das türkische Militär, das seinerseits eine vielfach höhere Durchsetzungskraft als die libanesische Armee besitzt, präventiv und versuchte durch Maßnahmen wie den Bau einer Mauer an der Grenze den Konflikt erst gar nicht in das Land zu lassen.

Jordanien, das laut Angaben der UNHCR rund 650.000 Syrer beherbergt, ist politisch anders positioniert als die Türkei oder der Libanon. Hinzu kommt, dass Jordanien im regionalen Vergleich ein starker Staat mit einem effizienten Sicherheitssektor ist. Das haschemitische Königshaus steht auf der Seite der sunnitischen Rebellen, unterstützt diese im Süden Syriens seit Beginn des Konflikts und ist Dreh- und Angelpunkt für westliche Staaten, die in Syrien Interessen haben. Aus diesem Grund besteht von Seiten der Rebellen kein Grund den Konflikt nach Jordanien zu tragen.

Im Libanon stellt sich die Situation bedeutend anders dar: Durch die innenpolitische Zersplitterung, die diverse Bevölkerungszusammensetzung und die verschiedenen Interessen, die in diesem Staat existieren, jedoch nicht durch den Staatsapparat, sondern durch private Kanäle kommuniziert werden, unterstützen die einzelnen libanesischen Fraktionen direkt oder indirekt verschiedene Gruppen in Syrien.

Die Folgen des Überschwappens des syrischen Konfliktes auf den Libanon sind vielfältig: Neben sicherheitstechnischen Bedenken schwächelt zum Beispiel der für die Region Baalbek so wichtige Tourismus, die Hizbollah erlangt durch ihr militärisches Engagement zusätzliche mediale Aufmerksamkeit und gewinnt an Legitimität und ausländische Förderer wurden zunehmend aktiver im Libanon.

Hotspot Tripoli

In der nordlibanesischen Stadt Tripoli ist der syrische Konflikt schon am Straßenbild wiedererkennbar. Es ist geprägt von bettelnden Syrern, darunter vielen Kindern. Tripoli‘s Einwohnerzahl hat sich durch die Migrationsbewegungen aus Syrien seit 2011 von etwa 400.000 auf rund 800.000 verdoppelt.

Checkpoint der Libanesischen Armee nahe Bab al-Tabaneh/in Tripoli

Vor dem Syrienkonflikt waren 80% der Bevölkerung Sunniten, 7% Alawiten und 11% Christen; das hügelige Umland der Stadt war hauptsächlich von Christen besiedelt. Die neuere Geschichte der Stadt ist vor allem vom  sunnitisch-alawitischen Konflikt in den Vierteln Jabal Mohsen und Bab al-Tabbaneh geprägt. Durch den syrischen Bürgerkrieg lebte dieser Konflikt wieder auf, da die Sunniten von Bab al-Tabbaneh auf Seiten der Rebellen stehen und die Alawiten aus Jabal Mohsen auf der Seite Asads. Interventionen der libanesischen Armee, typischerweise Festnahmen oder die Konfiszierung von Waffen, enden meist mit Schießereien zwischen den bewaffneten Gruppen und der Armee. An manchen Tagen sind abseits des Stadtzentrums Schüsse zu hören. Die lokale Bevölkerung reagiert kaum mehr darauf. Wenn man auf der Straße nach den Gründen der Spannungen in der Stadt und den Schießereien fragt, so erfährt man, dass in gewissen Vierteln Gangs das Sagen haben, und starke Interventionen der Armee in ihren Einflussbereich nicht geduldet werden. Dabei geht es nicht nur um Kleinkriminalität, sondern um ganze Schmuggelnetzwerke, Drogenhandel und politische Rivalitäten. In Tripolis geht es auch um Nachschublinien für das nur 100 Kilometer entfernt Homs, wo sich eine der letzten Rebellenenklaven befindet.

Auf diesen Grundspannungen aufbauend ist es leicht nachvollziehbar, dass die Migrationsbewegungen aus Syrien den Konflikt in Tripoli befeuern und die darunter liegenden sozialen Spannungen verstärken. Im Oktober 2014 eskalierte die Situation, nachdem ein Waffenlager ausgehoben wurde: Die Kämpfe dauerten vier Tage an, forderten 42 Menschenleben und endeten mit der Festnahme von rund 170 Aufständischen.

Nachdem sich die Situation beruhigt hatte, wurde offensichtlich, dass radikale Kräfte seit Monaten, wenn nicht Jahren an der Etablierung Tripolis und seiner Umgebung als sicheren Rückzugsort gearbeitet hatten. Im Zuge dessen wurden große Mengen an Kampfmittel angehäuft und Netzwerke aufgebaut. Weniger klar ist, ob es sich bei den radikalen Kräften nun um al-Qaida oder den IS handelt – Bilder, die damals um die Welt gingen suggerieren letzteres.

Hotspot Arsal

Koordinierte Angriffe

Die Stadt Arsal ist zu einem großen Teil von Sunniten bewohnt, und ihre Umgebung dient einigen tausend Syrern seit dem Ausbruch der Kämpfe wenige Kilometer weiter hinter der syrischen Grenze als neue Heimat.  Im August 2014 schwappten die Kämpfe aus Syrien erstmals in merklichem Maße auf die nördliche Bekaa-Ebene, die sich über 100 km entlang der syrischen Grenze erstreckt und nur durch eine Gebirgskette von dem Bürgerkriegsland getrennt ist, über. Nur wenige Stunden nach der Festnahme des syrischen „Rebellenkommandanten“ Imad Ahmed Jomaa, auch bekannt als Abu Ahmed Jomaa oder Mahmud Jomaa, eskalierte die Gewalt.  Der Kommandant der syrischen Oppositionsmiliz Fajr al-Sham wurde verletzt an einem Checkpoint der Libanesischen Armee (LAF) aufgegriffen. Es war nicht unüblich für syrische und libanesische Milizionäre zur damaligen Zeit zur medizinischen Behandlung über die Grenze in den Libanon zu kommen. Wenige Stunden darauf wurden diverse Checkpoints der Armee in und rund um die Stadt Arsal koordiniert angegriffen und libanesische Sicherheitskräfte von syrischen Milizen gefangengenommen. In den ersten Tagen dieser Gefechte kamen 10 libanesische Soldaten ums Leben.

Die Angriffe folgten einem altbekannten Muster, das seit einigen Jahren im Libanon, insbesondere in Tripoli, bis heute immer wieder zu beobachten ist: Wenn in gewissen Gegenden die Sicherheitskräfte Personen festnehmen oder Waffen konfiszieren, werden sie mit Waffengewalt durch lokale bewaffnete Gruppen herausgefordert. Diese bewaffneten Gruppen orientieren sich am Muster der Guerilleros und werden nur sichtbar, wenn die Sicherheitskräfte ihr Dasein gefährden oder ihre Pläne durchkreuzen. Dadurch wird das Gewaltmonopol des Staates massiv herausgefordert.

Juli 2017: Die Offensive

Nach den Kämpfen von 2014 beruhigte sich die Lage im Raum Arsal wieder. Die LAF und die Hizbollah ließen die syrischen Interessensgruppen weitgehend gewähren und Milizen der Nusra Front (heute Teil des Komitees zur Befreiung Syriens, arabisch: Hay’at Tahrir al-Sham, HTS) und des Islamischen Staates brachten in der syrisch-libanesischen Grenzregion nahe Arsal einige Dörfer und Berggipfel unter ihre Kontrolle. Mitte Juli 2017 startete eine gemeinsame Offensive der libanesischen Armee, der Hizbollah und der syrischen Armee (auf der andern Seite der Grenze), um dieses Gebiet wieder in staatliche Hand zu bringen.

Pragmatisch betrachtet ist der Umstand, dass die LAF im Raum Arsal an der Seite der Hizbollah und der syrischen Armee kämpfte, nichts Besonderes mehr. Inwieweit die unterschiedlichen Parteien im Detail jedoch kooperieren und sich absprachen ist unklar. Den amerikanischen und französischen Interessensgruppen missfiel jedoch zweifellos, dass die von ihnen so stark unterstütze und ausgerüstete libanesische Armee nun auf die schiitische Hizbollah angewiesen ist und diese die mediale Aufmerksamkeit auf sich zieht.

Es lässt sich darüber spekulieren, warum sich gerade HTS in den Flüchtlingslagern im Raum Arsal festsetzte. Zweifellos spielt eine Rolle, dass Arsal zum Großteil von Sunniten bewohnt ist und nur wenige Kilometer entfernt von der syrischen Grenze liegt. Sehr wahrscheinlich ist, dass sich Waffen und syrische Kämpfer in den meisten Flüchtlingslagern im Libanon befinden, doch bis dato unentdeckt blieben. Die Grenze zu Syrien ist eine grüne Grenze, die hauptsächlich aus einer kargen, schwer zugänglichen Bergregion besteht, notorisch für langjährigen Schmuggel. Der Libanon mit seinem schwach ausgeprägten Gewaltmonopol bietet außerdem den idealen Rückzugsraum für syrische Guerilleros um sich zu reorganisieren bzw. unterzutauchen.

Der Generalsekretär der Hizbollah, Hassan Nasrallah, drohte den Milizen im Raum Arsal bereits Mitte Juli 2017 und stellte ihnen ein Ultimatum um von dort abzuziehen. Mit der Freien Syrischen Armee konnte ein Deal ausgehandelt werden, der den Abzug ihrer Kämpfer in die Oppositionsgebiete in Südsyrien vorsah. Mit HTS kam man vorerst zu keiner Übereinkunft.

Während die libanesischen Sicherheitskräfte eine defensive Rolle in und rund um die Stadt Arsal einnahmen und so Fluchtbewegungen militanter Syrer tiefer in den Libanon hinein verhinderten, startete die Hizbollah zeitgleich mit Einheiten der syrischen Armee auf der andern Seite der Grenze am 21. Juli die Offensive gegen die Milizen des HTS, die ein zusammenhängendes Gebiet von rund 130 Km³ auf beiden Seiten der Grenze kontrollierten.

Propagandavideo des Hizbollah-Medienkanals zur Offensive in Arsal

Gut eine Woche nach Beginn der Offensive begannen die Verhandlungen um einen Waffenstillstand. Zu diesem Zeitpunkt hatte die Hizbollah laut eigenen Angaben zwei Drittel des Gebietes von HTS eingenommen und hunderte Kämpfer getötet und gefangengenommen. Das Waffenstillstandsabkommen sieht sowohl den Austausch von Gefangenen als auch den Abzug von rund 10.000 syrischen Kämpfern inklusive ihren Angehörigen aus dem Libanon in die Provinz Idlib vor, teils bewaffnet. Die Provinz Idlib ist jene Provinz, die großteils und bis dato erfolgreich von HTS gehalten und gegen das syrische Regime verteidigt wird. Mit zwei Tagen Verspätung begannen am Morgen des 2. August die Rückführungen der Syrer. Parallel dazu wurden schrittweise Gefangene und Leichen von Gefallenen ausgetauscht.

Nur wenige Tage später wurde die Offensive einige Kilometer weiter gegen den IS fortgesetzt. Bei dieser Offensive nahm die libanesische Armee jedoch keine defensive Rolle mehr ein, sondern beteiligte sich aktiv an den Kämpfen, während eine Koordination mit der syrischen Armee bzw. der Hizbollah, welche zeitgleich auf der anderen Seite der Grenze die Offensive vorantrieben, abgestritten wurde.

Auch diese Offensive gegen den IS endete mit einem Evakuierungsabkommen, welches den IS-Mitgliedern und ihren Angehörigen den Abzug in IS-Gebiete nach Ostsyrien sicherte. Bemerkenswert ist hierbei, dass es sich um das erste öffentlich gemachte Evakuierungsabkommen mit dem IS überhaupt handelte. Mit diesem Abzug war das staatliche Gewaltmonopol in Arsal wieder hergestellt, doch dies gelang nur mit Hilfe der Hizbollah, was einen generellen Diskurs über deren Rolle im Libanon auslöste.

Die kontroverse Rolle der Hizbollah

Die Hizbollah, auf deusch Partei (Hizb) Gottes (Allah) ist eine äußerst kontrovers diskutierte Bewegung, auch innerhalb des Libanon. Die EU und die meisten westlichen Staaten stufen den bewaffneten Arm der Hizbollah als Terrororganisation ein. Zu Beginn der 1990er Jahre wandelte sich die Hizbollah jedoch von einer rein militärischen Kraft zu einer Organisation, die viele Parallelen mit einer politischen Partei aufweist. Sie hält aktuell 12 der 27 schiitischen Sitze im libanesischen Parlament und ist Teil der Regierung.

Fragt man auf der Straße nach der Hizbollah, bekommt man äußerst unterschiedliche Antworten – es kommt ganz darauf an, wo man sich gerade befindet. Die Antworten reichen von: „Das sind Drogendealer!“, bis zu: „Sie beschützen uns vor al-Qa’ida und Daesh, natürlich habe ich nichts gegen sie“. Generell bemerkenswert ist, dass sich die meisten Menschen bemühen, nicht öffentlich darüber zu diskutieren, besonders mit Ausländern.

Durch den Bürgerkrieg in Syrien, in dem sich die Hizbollah stark auf der Seite Asads engagiert, konnte sie im Libanon ihre Position wesentlich stärken. Die Hizbollah ist nicht nur militärisch aktiv und stellt somit eine potentielle Bedrohung des libanesischen Staates dar, sondern engagiert sich auch diplomatisch indem sie die Rückkehr von syrischen Flüchtlingen und Milizen aus dem Libanon  aushandelte – eigentlich eine staatliche Aufgabe. Alle diese Umstände führten zur Verärgerung Saudi Arabiens uns schließlich zu der Rücktrittserklärung und späteren Dementierung des libanesischen (sunnitischen) Ministerpräsidenten Hariri.

Das Problem des Gewaltmonopols

Der problematische Aspekt aus normativer Sicht ist das steigende Engagement der Hizbollah im schwachen libanesischen Staat. Die Allianz, die Präsident Aoun 2006, etwa ein Jahr nach dem Abzug der syrischen Truppen und seiner Rückkehr aus dem französischen Exil, mit der Hizbollah einging, ist zweifelsohne politisch notwendig. Nicht außer Acht zu lassen ist jedoch, dass die Partei Gottes noch immer über einige Tausend bewaffnete Kämpfer verfügt, die der libanesischen Armee, zumindest in einigen Landesteilen, mehr als nur das Wasser reichen können. Der Umstand, dass die Hizbollah nun zunehmend militärische Aufgaben des libanesischen Staates übernimmt, darunter die Wahrung der Sicherheit im Inneren, ist an sich problematisch. Eine weitere Institutionalisierung dieses Umstandes wird unweigerlich in einer steigenden Abhängigkeit von der Hizbollah münden und macht den libanesischen Staat leicht erpressbar. Präsident Aoun setzt jedoch weiterhin auf die Integration der Hizbollah.

Der Libanon erfuhr durch den Bürgerkrieg in Syrien eine maßgebliche Schwächung als Staat und Garant des Gewaltmonopols. Sowohl in Tripolis, als auch in der nördlichen Bekaa-Ebene konnte das Gewaltmonopol des Staates durch die Vertreibung von Milizen zwar großteils wiederhergestellt werden, doch von einer nachhaltigen Stabilisierung ist der Libanon weit entfernt.

Die kontrovers diskutierte Hizbollah gewinnt mit der Fortdauer des syrischen Bürgerkrieges immer mehr an Macht, nicht nur in Syrien selbst, sondern auch im Libanon. Diese Entwicklungen deuten auf ein weiterhin großes Konfliktpotential im Libanon; Wie die neue Rolle der Hizbollah bei der libanesischen Bevölkerung ankommt, werden indes die Wahlen im Mai 2018 zeigen.

Titelfoto: David Fussi

Disclaimer: Dieser Artikel ist von den subjektiven Eindrücken des zweimonatigen Aufenthalts des Autors im Libanon geprägt und bezieht seine Informationen teils aus Gesprächen mit Personen vor Ort, lokalen und internationalen Medien, sowie wissenschaftlichen Quellen. Die in diesem Artikel ausgedrückten Ansichten repräsentieren die Meinung des Autors und nicht notwendigerweise jene von sipol.at als Ganzes. Weder sipol.at noch der Autor haften für die Richtigkeit von Daten aus externen Quellen. Änderungen vorbehalten.

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Über den Autor
David Fussi

David Fussi

David studiert Politikwissenschaft und Orientalistik an der Universität Wien. Sein Forschungsschwerpunkt liegt auf dem Nahen Osten und Nordafrika. Zu seinen Forschungsfeldern gehören die aktuellen Konflikte in Syrien, dem Irak und Libyen, sowie die Rolle religiöser Akteure in den Staaten des Nahen Ostens. David hat die Region selbst bereist und spricht Arabisch.

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