Was wir wissen

Am Samstag, dem 28. Februar 2026, haben Israel und die USA gemeinsam militärische Ziele in Iran angegriffen. Explosionen wurden in zentralen Teheran gemeldet, darunter offenbar in der Nähe der Büros von Revolutionsführer Ali Khamenei. Der israelische Verteidigungsminister bezeichnete den Angriff als "präventiven Schlag zur Beseitigung der Bedrohung des Staates Israel".

Die IAEA bestätigte Treffer auf zwei Nuklearanlagen: den Karaj TESA Complex (Zentrifugenproduktion) und den Tehran Research Complex. Damit ist das primäre Ziel dieser Operation eindeutig: das iranische Nuklearprogramm.

Weitere bestätigte Fakten:

  • Die Operation wurde seit Monaten gemeinsam geplant
  • Die erste Phase ist auf vier Tage angelegt — Israel "geht aufs Ganze"
  • Der Tagesangriff war als Überraschungsmoment kalkuliert
  • Der Irak sperrte seinen Luftraum nach dem Durchflug israelischer und amerikanischer Marschflugkörper
  • Israel rief den Ausnahmezustand aus und schloss seinen Luftraum
  • Die USA hatten in den Wochen davor zwei Carrier Strike Groups in die Region verlegt

Der nukleare Kern: Geschichte einer gescheiterten Zerstörung

Um den heutigen Schlag zu verstehen, muss man seine Vorgeschichte kennen. Im Juni 2025 hatten die USA und Israel bereits Irans Nuklearanlagen angegriffen — Fordow, Isfahan und Khojir wurden getroffen. Trump erklärte das Programm damals für "vernichtet". Das war, wie sich bald herausstellte, verfrüht.

Satellitendaten und IAEA-Monitoring der Folgemonate zeigten: Iran baute umgehend wieder auf. Bloomberg und Maxar Technologies veröffentlichten Satellitenbilder von Isfahan (Juni 2025), die Gebäudeschäden dokumentieren — und anschließende Wiederaufbauaktivitäten. Das Institut für Science and International Security (ISIS) berichtete, dass Iran die Anlage Taleghan 2 im Parchin-Komplex sogar mit einem Betonmantel ("Sarkophag") ummantelt, um sie gegen zukünftige Luftschläge zu härten. Der Khojir-Raketenkomplex wurde ebenfalls durch Schutzbauten gesichert.

Vizepräsident Vance erklärte am 25. Februar: Die USA hätten "Beweise, dass Iran versucht, sein Nuklearwaffenprogramm wiederaufzubauen." Außenminister Rubio: Iran "versuche, Elemente seines Programms wiederaufzubauen." Letzte Verhandlungen in der Schweiz am 26. Februar scheiterten ohne Durchbruch.

Die heutigen Schläge sind damit die direkte Konsequenz: Iran hat den Wiederaufbau nicht gestoppt, die Diplomatie ist gescheitert — und das militärische Fenster schließt sich, wenn das Programm weiter gehärtet wird.

Satellitenbilder: Was wir bereits wissen

Für die heutigen Angriffe werden Maxar Technologies und Planet Labs innerhalb der nächsten 24 bis 48 Stunden Aufnahmen veröffentlichen. Als Referenz dienen die Maxar-Bilder vom Juni 2025 (publiziert via AP und Bloomberg), die Einschlagschäden am Isfahan Nuclear Technology Center und an Fordow dokumentierten.

Die IAEA hat inzwischen bestätigt, dass in dieser neuen Angriffsserie Karaj TESA Complex (Zentrifugenproduktion) und der Tehran Research Complex getroffen wurden. Karaj gilt als industrielles Herz des Zentrifugenprogramms — ohne diesen Komplex keine neuen Anreicherungskapazitäten. Der Tehran Research Complex betreibt den Teheran-Forschungsreaktor, der auch für Isotopentrennung genutzt werden kann.

📡 Satellitenbilder der heutigen Schläge werden in den nächsten 24–48 Stunden erwartet. Dieser Abschnitt wird aktualisiert sobald Maxar oder Planet Labs Aufnahmen publizieren.

Die unmittelbare Eskalationsdynamik

Iran wird antworten. Die Frage ist nicht ob, sondern wie und wann. Drei Eskalationspfade sind wahrscheinlich:

1. Proxies: Hisbollah im Libanon, Houthi im Jemen, irakische Milizen und palästinensische Gruppen werden aktiviert. Israel muss gleichzeitig an mehreren Fronten operieren — das ist der Kern der iranischen "Achse des Widerstands"-Strategie.

2. Direkte Raketen- und Drohnenangriffe auf Israel: Iran hat im April 2024 und Oktober 2024 bereits direkte Angriffe auf israelisches Territorium durchgeführt. Eine Wiederholung, diesmal mit deutlich höherer Intensität, ist zu erwarten. Israel hat seinen Luftraum präventiv gesperrt und die Bevölkerung aufgefordert, in der Nähe von Schutzräumen zu bleiben.

3. Angriffe auf US-Kräfte in der Region: Amerikanische Stützpunkte in Irak, Syrien, Jordanien und auf Kriegsschiffen sind potenzielle Ziele iranischer Vergeltung. Die US-Präsenz mit zwei Carrier Strike Groups macht Amerika zum erklärten Kriegsteilnehmer.

Hormuz: Der Ölpreis als Waffe

Rund 20 Prozent des weltweiten Öl- und LNG-Transits passieren die Straße von Hormuz. Iran hat die Fähigkeit — und hat in der Vergangenheit die Drohung wiederholt —, die Straße zu sperren oder Tanker anzugreifen. Ein solcher Schritt würde zu einem unmittelbaren globalen Energiepreisschock führen.

In den ersten Handelsstunden nach Bekanntwerden der Angriffe sind die Ölpreise bereits deutlich angestiegen. Eine Ausweitung der Kampfhandlungen auf die Meeresenge würde Europa direkt treffen: als Hauptabnehmer von Golf-Öl und -LNG.

Was das für Europa bedeutet

Europa ist kein Akteur in dieser Krise — aber es wird ihre Folgen tragen.

Energiepreise: Ein anhaltender Konflikt im Persischen Golf wird die Energiekosten für europäische Haushalte und Industrie erhöhen. In einem Moment, in dem Europa noch immer an den Folgen der russischen Energieabkopplung arbeitet, ist ein zweiter Energiepreisschock wirtschaftlich gefährlich.

Flüchtlingsströme: Eine regionale Ausweitung des Konflikts — insbesondere im Libanon, im Irak und möglicherweise in Syrien — kann neue Migrationsbewegungen in Richtung Europa auslösen. Die humanitären Folgen eines großen Regionalkrieges sind noch nicht absehbar.

Sicherheitslage in Europa: Hisbollah unterhält Netzwerke und Schläferzellen in mehreren europäischen Ländern. Bei einer Eskalation könnte Iran seine Proxies anweisen, Anschläge auf israelische, amerikanische oder westliche Ziele in Europa durchzuführen.

JCPOA ist endgültig tot: Das Nuklearabkommen mit Iran ist durch diese Operation obsolet geworden. Eine diplomatische Lösung des iranischen Nuklearprogramms wird auf Jahre, wenn nicht Jahrzehnte, nicht möglich sein. Die Frage, ob Iran trotz aller Militärschläge langfristig nuklearbewaffnet werden kann, ist damit nicht beantwortet — nur aufgeschoben.

Österreich und die Neutralität

Wien gilt traditionell als Verhandlungsort für Iran-Nukleargespräche — die JCPOA-Verhandlungen fanden im Palais Coburg statt, die IAEA hat ihren Sitz in Wien. Österreichs besondere Rolle als neutraler Vermittler in diesem Konflikt ist durch die Eskalation faktisch suspendiert.

Das österreichische Außenministerium wird rasch eine Haltung formulieren müssen: zur Sicherheit österreichischer Staatsangehöriger im Nahen Osten, zur eigenen Position im Nato-Umfeld (obwohl nicht Nato-Mitglied, aber EU-Mitglied) und zur Frage der humanitären Folgen.

Erste Bewertung

Was heute Morgen in Teheran begonnen hat, ist keine begrenzte Militäroperation — es ist der Beginn einer Phase offener militärischer Auseinandersetzung zwischen Israel, den USA und Iran. Die strategische Logik dahinter ist klar: Das nukleartechnische Fenster für Iran sollte geschlossen werden, solange Trump im Amt ist und eine amerikanische Unterstützung garantiert ist.

Die Risiken sind enorm. Iran ist kein militärisch schwaches Land. Sein Netz an Proxies erstreckt sich vom Libanon über den Irak, Syrien bis zum Jemen. Eine Kontrolle der Eskalationsdynamik in einem vielschichtigen Regionalkonflikt ist historisch kaum je gelungen.

Die nächsten 72 Stunden werden entscheidend sein: für das Ausmaß der iranischen Gegenschläge, für die Frage ob andere Akteure (Russland, China) intervenieren, und dafür, ob die Operation ihre erklärten Ziele erreicht oder eine unkontrollierbare Eskalationsspirale auslöst.

Dieser Artikel wird laufend aktualisiert. Lagestand: 28. Februar 2026, 00:30 MEZ.