Der unsichtbare Krieg
Es ist der am stärksten unterberichtete Konflikt der Gegenwart. Während Redaktionen rund um die Uhr über Fronten in der Ukraine oder die Lage in Gaza berichten, stirbt in Sudan seit fast drei Jahren eine Gesellschaft — in einer Kombination aus Kriegsgewalt, Hunger und dem systematischen Zusammenbruch jeder staatlichen Infrastruktur. Die Vereinten Nationen haben Sudan im Januar 2026 offiziell zur größten humanitären Katastrophe der Welt erklärt. Nicht die zweitgrößte. Die größte.
Dennoch: In europäischen Nachrichtensendungen taucht Sudan meist nur dann auf, wenn wieder ein Massaker bestätigt ist, das Wochen zuvor stattfand und von Überlebenden in Flüchtlingslagern berichtet wurde — ohne Kameras, ohne unabhängige Beobachter, ohne die Echtzeit-Dokumentation, die andere Konflikte erhalten. Der Krieg existiert, aber er existiert ohne die mediale Infrastruktur, die ihn in das politische Bewusstsein des Westens heben würde.
Dieser Artikel versucht, diese Lücke zu schließen. Er folgt den Fakten — auch dort, wo sie unbequeme Fragen über selektive Aufmerksamkeit aufwerfen.
🗓️ Kriegsbeginn: 15. April 2023
👥 33,7 Millionen Menschen auf humanitäre Hilfe angewiesen (2/3 der Bevölkerung)
🚶 12+ Millionen Vertriebene — größte Vertreibungskrise der Welt
🍽️ 21,2 Millionen von akutem Hunger bedroht
💀 4.673 bestätigte Todesopfer (UCDP 2024) — tatsächliche Zahlen vielfach höher
📉 BIP schrumpfte 2024 um 23%, Inflation bei 186%
Wer kämpft gegen wen?
Um den Krieg zu verstehen, muss man seine Vorgeschichte kennen. Sudan wurde von 1989 bis 2019 von Omar al-Bashir regiert — dreißig Jahre Diktatur, geprägt von islamistischem Autoritarismus, ethnischen Verfolgungen und dem langen Krieg in Darfur, für den der Internationale Strafgerichtshof 2009 einen Haftbefehl gegen al-Bashir wegen Völkermordes ausstellte. 2019 erzwangen Massenproteste seinen Sturz. Es folgte eine kurze, fragile Phase der Hoffnung: Eine Übergangsregierung aus Militärs und Zivilgesellschaft sollte Sudan in die Demokratie führen.
Diese Hoffnung wurde 2021 zerschlagen. Im Oktober jenes Jahres putschten die Militärs gemeinsam — Armeechef Abdel Fattah al-Burhan und sein damaliger Stellvertreter Mohamed Hamdan Dagalo, bekannt als „Hemeti" — und beendeten die Übergangsperiode. Doch schon damals war die Allianz zwischen den beiden Männern brüchig. Al-Burhan stand an der Spitze der Sudanese Armed Forces (SAF), der regulären Armee. Hemeti befehligte die Rapid Support Forces (RSF), eine paramilitärische Miliz, die aus den berüchtigten Dschandschawid-Reitern hervorgegangen war — jener Miliz, die in Darfur die Massaker der frühen 2000er Jahre verübt hatte.
Der Machtkampf zwischen beiden eskalierte, als Verhandlungen über die Integration der RSF in die reguläre Armee scheiterten. Am 15. April 2023 — einem Samstag morgen — brachen in Khartum Kämpfe aus, die sich binnen Stunden auf das ganze Land ausweiteten. Was als Konfrontation zwischen zwei Machtapparaten begann, ist heute ein totaler Krieg gegen die Zivilbevölkerung.
Die SAF kontrolliert heute weite Teile des Nordens und Ostens, darunter Port Sudan, das als provisorische Regierungshauptstadt fungiert. Die RSF hat sich über weite Teile Khartums, des Westens und Darfurs ausgedehnt. Beide Seiten begehen dokumentierte Kriegsverbrechen: Luftangriffe auf Märkte und Krankenhäuser durch die SAF, systematische Massaker, Vergewaltigungen und ethnische Säuberungen durch die RSF. Doch in ihren Ausmaßen sind die Gräueltaten der RSF — besonders in Darfur — von einer anderen Qualität.
Darfur brennt wieder
Darfur ist das Epizentrum des Horrors. Die Region im Westen Sudans hat bereits den ersten Genozid des 21. Jahrhunderts erlebt — zwischen 2003 und 2010 töteten Dschandschawid-Milizen hunderttausende Menschen, vertrieben Millionen, zerstörten systematisch nicht-arabische Siedlungen. Die RSF ist die direkte institutionelle Nachfolgerin dieser Milizen, und sie handelt in Darfur nach demselben Muster.
Im April 2025 bestätigte ein UN-Expertengremium, dass RSF-Kämpfer im Dorf Samsam mindestens 1.013 Zivilisten massakriert hatten. Die Opfer waren überwiegend Männer und Jungen aus der Masalit-Gemeinschaft, einer nicht-arabischen Bevölkerungsgruppe. Die WHO dokumentierte einen weiteren Fall von beispielloser Brutalität: In einer einzigen Geburtsklinik in Al-Faschir sollen RSF-Kämpfer mehr als 460 Menschen getötet haben — Patienten, Gebärende, medizinisches Personal.
„Was in Darfur passiert, entspricht allen rechtlichen Kriterien für Völkermord. Die Welt sieht es. Die Welt handelt nicht."
— Volker Türk, UN-Hochkommissar für Menschenrechte, Oktober 2025
Im Oktober 2025 fiel nach monatelanger Belagerung Al-Faschir — die letzte Großstadt Darfurs, die noch unter SAF-Kontrolle stand und als letzter Zufluchtsort für Hunderttausende von Vertriebenen galt. Die Einnahme durch die RSF war von massiven Gräueltaten begleitet. Schätzungen zufolge werden 150.000 Menschen vermisst; mindestens 60.000 Tote sind allein aus Al-Faschir dokumentiert oder hochgerechnet — bei einer Datenlage, die wegen fehlender unabhängiger Beobachter extrem lückenhaft bleibt.
Die ethnische Dimension ist nicht zu übersehen: Die RSF unter Hemeti verfolgt systematisch nicht-arabische Gemeinschaften — Masalit, Fur, Zaghawa. Das Internationale Strafgericht hat Haftbefehle erlassen, doch deren Vollstreckung hängt vom politischen Willen der Staatengemeinschaft ab — einem Willen, der im Fall Sudan bislang nicht erkennbar ist.
🏚️ Letzte unter SAF-Kontrolle stehende Großstadt Darfurs — gefallen Oktober 2025
💀 Mindestens 60.000 Tote allein in der Stadt
❓ 150.000 Menschen werden vermisst
🔪 Samsam-Massaker (April 2025): 1.013 Zivilisten getötet (UN-bestätigt)
🏥 WHO: 460+ Menschen in einer einzigen Geburtsklinik getötet
Humanitäre Katastrophe ohne Maßstab
Die humanitären Zahlen des Sudan-Krieges sind so groß, dass sie die Vorstellungskraft belasten. Im Januar 2026 meldete das UN-Büro für die Koordinierung humanitärer Angelegenheiten (OCHA), dass 33,7 Millionen Menschen — annähernd zwei Drittel der Gesamtbevölkerung — humanitäre Hilfe benötigen. Zum Vergleich: Die gesamte Bevölkerung Australiens beträgt 26 Millionen.
Im September 2025 waren nach Daten des Integrated Food Security Phase Classification (IPC) 21,2 Millionen Menschen von akutem Hunger bedroht — eine Zahl, die im Februar 2026 weiter gestiegen ist, nachdem das IPC neue Hungersnot-Gebiete in Nord-Darfur ausgerufen hat. Sudan ist damit das Land mit der weltweit größten Anzahl hungernder Menschen, übertroffen nur noch von den aggregierten Krisenregionen Sub-Sahara-Afrikas insgesamt.
Die Vertreibungskrise übersteigt jeden anderen aktiven Konflikt weltweit. Über 12 Millionen Menschen sind innerhalb Sudans vertrieben oder als Flüchtlinge in Nachbarländer wie den Tschad, Ägypten, den Südsudan und die Zentralafrikanische Republik geflohen. Die UNHCR bezeichnet die Sudan-Krise seit 2024 als die größte Vertreibungskrise der Welt — größer als die Lage in der Ukraine zum Zeitpunkt der russischen Invasion.
Das Gesundheitssystem ist kollabiert. Über 70 Prozent der Krankenhäuser in den Kampfgebieten sind nicht mehr funktionsfähig — zerstört, geplündert oder aus Sicherheitsgründen geschlossen. Cholera, Malaria und Masern breiten sich in Gebieten aus, wo Impfkampagnen unmöglich geworden sind. Ärzte ohne Grenzen berichtet von chirurgischen Eingriffen ohne Anästhesie, von Geburtsstationen unter freiem Himmel.
Die Wirtschaft ist in freiem Fall. Das Bruttoinlandsprodukt — ohnehin eines der niedrigsten der Welt bei nur 29,2 Milliarden US-Dollar — schrumpfte 2024 um dramatische 23 Prozent. Die Inflation liegt bei 186 Prozent. Wer Ersparnisse hatte, hat sie verloren. Wer Arbeit hatte, hat sie verloren. Wer ein Zuhause hatte, hat es verloren.
Das Uppsala Conflict Data Program (UCDP) hat für 2024 mindestens 4.673 bestätigte Todesopfer gezählt — eine Zahl, die methodisch die bestätigten Fälle aus öffentlichen Quellen erfasst und die tatsächliche Opferzahl massiv unterschätzt. Hochrechnungen humanitärer Organisationen gehen von deutlich mehr als 100.000 Kriegstoten seit April 2023 aus.
Die Unterstützer im Hintergrund
Sudan ist kein isolierter Bürgerkrieg. Er ist eingebettet in ein regionales und globales Netz von Interessen, die den Konflikt — bewusst oder in Kauf nehmend — verlängern.
Die Vereinigten Arabischen Emirate spielen die umstrittenste Rolle. Investigative Recherchen von Reuters, der BBC und dem UN-Expertengremium haben dokumentiert, dass die UAE die RSF mit Waffen beliefert — über eine Transitroute durch Libyen, wo die UAE eigene Interessen in der Unterstützung der Haftar-Milizen verfolgt. Drohnen, Panzerabwehrwaffen und Munition wurden in von RSF kontrollierten Gebieten identifiziert und zu Emirate-Ursprüngen zurückverfolgt. Abu Dhabi bestreitet dies. Die Dokumentationslage spricht eine andere Sprache. Der Grund für das Emirate-Engagement dürfte in der engen persönlichen Beziehung zwischen Hemeti und der Führung in Abu Dhabi liegen — aber auch in wirtschaftlichen Interessen: Sudan ist reich an Gold, und RSF-nahe Unternehmen kontrollieren erhebliche Teile der informellen Goldförderung.
Ägypten und Saudi-Arabien stehen auf der anderen Seite. Kairo unterstützt die SAF — aus einer Mischung aus historischer Nähe zu Sudans Militärelite und der Sorge, dass ein RSF-Sieg ein destabilisierendes Signal für die gesamte Region senden würde. Saudi-Arabien hat mehrfach Vermittlungsversuche unternommen, darunter die Gespräche in Dschidda 2023, die scheiterten, bevor sie begonnen hatten. Riad verfolgt sowohl wirtschaftliche Interessen (Investitionsprojekte am Roten Meer) als auch das strategische Ziel, die UAE-Einflusszone am Horn von Afrika einzudämmen.
Russland operiert im Hintergrund. Die Verbindungen zwischen der RSF und dem Wagner-Netzwerk — heute unter dem Namen „Africa Corps" bekannt und direkt dem russischen Verteidigungsministerium unterstellt — sind dokumentiert. Wagner hatte bereits unter al-Bashir Goldförderprojekte in Sudan betrieben und enge Kontakte zu den Vorgängerstrukturen der RSF aufgebaut. Russland profitiert von der Destabilisierung der Sahel-Zone und des Horn von Afrika, die westliche Aufmerksamkeit und Ressourcen bindet — und Gold aus informellen Netzwerken in die russische Kriegswirtschaft fließen lässt.
China ist Sudans größter Handelspartner und Hauptabnehmer seiner (begrenzten) Ölressourcen. Peking verfolgt offiziell eine Nichteinmischungspolitik und hat im UN-Sicherheitsrat Resolutionen zu Sudan abgeschwächt oder blockiert. Das Interesse Chinas gilt der wirtschaftlichen Stabilität und dem Schutz eigener Investitionen — eine Position, die faktisch beiden Kriegsparteien nutzt, solange keine Seite entschieden genug gewinnt, um Verhandlungen zu erzwingen.
Der Westen — USA, EU, Großbritannien — hat minimales Engagement gezeigt. Washington verhängte Sanktionen gegen Einzelpersonen auf beiden Seiten, stellte humanitäre Hilfe bereit und koordinierte diplomatische Erklärungen. Die EU hat ähnliche Maßnahmen ergriffen. Doch keine westliche Macht hat den politischen Willen aufgebracht, den Druck auf die UAE — einen engen Partner — zu erhöhen, die Waffenlieferungen an die RSF zu stoppen. Hier liegt eine der entscheidenden Hebelpunkte, die ungenutzt bleibt.
🇦🇪 UAE → RSF: Waffenlieferungen über Libyen (UN-dokumentiert)
🇪🇬 Ägypten + 🇸🇦 Saudi-Arabien → SAF: politische und materielle Unterstützung
🇷🇺 Russland / Wagner → RSF-Netzwerke: Goldgeschäfte, militärische Verbindungen
🇨🇳 China → neutrale Position, wirtschaftliche Interessen bei beiden Seiten
🌍 Westen → minimales Engagement, humanitäre Hilfe ohne politischen Druck
Warum schaut die Welt weg?
Die Frage ist berechtigt und verdient eine ehrliche Antwort — ohne Vereinfachung, aber ohne Beschönigung.
Strategische Irrelevanz im westlichen Kalkül. Sudan ist kein NATO-Mitglied, kein EU-Beitrittskandidat, keine Demokratie in Gefahr, deren Schutz im Eigeninteresse des Westens läge. Es gibt keine westlichen Soldaten im Land, die das Thema auf Titelseiten bringen würden. Sudans Öl — das Land verfügt über Reserven, doch der Großteil der Förderung liegt im inzwischen unabhängigen Südsudan — fließt über Pipelines, die durch Sudan führen; ein Interessensmoment, der aber nicht ausreicht, um politisches Kapital zu mobilisieren.
Medienkonkurrenz. Seit Februar 2022 dominiert der Ukraine-Krieg die sicherheitspolitische Berichterstattung europäischer Medien. Seit Oktober 2023 konkurriert der Gaza-Konflikt um dieselbe begrenzte Aufmerksamkeitskapazität. Beide Konflikte sind real, beide verdienen Berichterstattung. Aber die Folge ist eine faktische Verdrängung aller anderen Krisen aus dem öffentlichen Bewusstsein — nicht durch bösen Willen einzelner Redaktionen, sondern durch die strukturellen Grenzen medialer Aufmerksamkeit.
Zugang und Dokumentation. Sudan ist für internationale Journalisten schwer zugänglich. Beide Kriegsparteien behindern unabhängige Berichterstattung. Es fehlen die Echtzeit-Bilder, die Videoströme, die Augenzeugenberichte aus dem Moment — alles, was einen Krieg im medialen Zeitalter „sichtbar" macht. Das ist kein Zufall: Dunkelheit schützt Täter.
Strukturelle Faktoren der Aufmerksamkeitsverteilung. Forschung zu medialer Berichterstattung über Konflikte zeigt konsistent, dass Kriege in afrikanischen Ländern — bei vergleichbaren oder größeren humanitären Ausmaßen — systematisch weniger Berichterstattung erhalten als Konflikte in Europa oder im Nahen Osten. Dies ist keine Verschwörungstheorie, sondern ein messbares Muster, das von Medienforscherinnen wie Virginie Morlighem oder im Kontext der Berichterstattung über den Kongo und Äthiopien wiederholt dokumentiert wurde. Die Frage, wessen Leid als Leid gilt — und wessen nicht — ist eine zutiefst politische. Sie zu stellen ist unbequem. Zu schweigen darüber ist fahrlässig.
„Die Welt hat eine Hierarchie der Empathie. Sudan steht ganz unten. Das sagt mehr über uns aus als über Sudan."
— Zainab Salbi, Gründerin von Women for Women International, 2025
Die Kombination dieser Faktoren erklärt, ohne sie zu rechtfertigen: ein Konflikt, der kein westliches Sicherheitsinteresse im engeren Sinne berührt, der medial schwer zugänglich ist, der Konkurrenz um eine begrenzte Aufmerksamkeitskapazität hat und dessen Opfer strukturell weniger mediale Sichtbarkeit erhalten als Opfer anderer Konflikte.
Was Europa tun könnte — und tut
Die ehrliche Bilanz ist ernüchternd: Europa tut wenig, und das Wenige bleibt folgenlos.
Die Europäische Union hat humanitäre Hilfe bereitgestellt — im Jahr 2025 rund 170 Millionen Euro — und politische Erklärungen verabschiedet. Der EU-Außenbeauftragte Josep Borrell (bis Ende 2024) und sein Nachfolger Kaja Kallas haben Sudan in Pressemitteilungen erwähnt. Das Europäische Parlament hat Resolutionen verabschiedet. All das ist besser als nichts. Es reicht bei weitem nicht.
Was fehlt, ist politischer Druck auf jene Staaten, die den Krieg verlängern. Die UAE ist ein enger Wirtschaftspartner der EU und mehrerer europäischer Staaten — mit umfangreichen Investitionen, Energieverträgen und diplomatischen Beziehungen, die nach der Ölpreiskrise 2022 deutlich intensiviert wurden. Solange Europa diesen Hebel nicht nutzt, sind alle anderen Maßnahmen symbolisch.
Konkret könnten europäische Regierungen:
- Druck auf die UAE ausüben, die dokumentierten Waffenlieferungen an die RSF zu stoppen — mit klarer Benennung der Konsequenzen für bilaterale Beziehungen.
- Den UN-Sicherheitsrat aktivieren und gemeinsam mit den USA auf verbindliche Maßnahmen drängen, statt chinesisches und russisches Veto als Vorwand zu akzeptieren.
- Humanitären Zugang als Bedingung für jede diplomatische Normalisierung mit beiden Kriegsparteien setzen.
- Sanktionen gezielt erweitern auf Netzwerke, die Goldhandel und Waffentransporte finanzieren — einschließlich Firmen mit Sitz in europäischen Jurisdiktionen.
- Medienpräsenz erhöhen durch Förderung von Sudan-Berichterstattung und Schutz von Journalistinnen und Journalisten, die aus der Region berichten.
Der Einwand, Europa könne in einem fernen Bürgerkrieg nichts ausrichten, greift nicht. Die UAE liefert Waffen, weil sie keine ernsthaften Konsequenzen fürchtet. Russland operiert im Goldnetzwerk, weil Sanktionslücken es erlauben. Diplomatischer Druck ist kein Wundermittel — aber sein vollständiges Fehlen ist eine politische Entscheidung, die mitverantwortlich ist für das Fortbestehen des Krieges.
Es ist Februar 2026. Der Krieg dauert fast drei Jahre. Darfur ist zu großen Teilen unter Kontrolle einer Miliz, die von UN-Experten der Begehung von Völkermord verdächtigt wird. 33,7 Millionen Menschen brauchen Hilfe, die sie nicht erreicht. Die größte humanitäre Katastrophe der Welt läuft im Hintergrund — während wir über anderes sprechen.
Das ist eine Entscheidung. Keine zwingende. Eine.
Quellen & weiterführende Literatur
- UN OCHA Sudan — Humanitäre Lageberichte (laufend aktualisiert)
- UNHCR — Sudan Emergency: Aktuelle Vertreibungsdaten
- IPC — Integrated Food Security Phase Classification Sudan (September 2025)
- UCDP Uppsala — Sudan Konfliktdaten 2024
- OHCHR — UN-Experten zum Massaker in Samsam (Mai 2025)
- Internationaler Strafgerichtshof — Sudan-Situation
- Amnesty International — Sudan-Berichte
- Human Rights Watch — Sudan
- Bundeszentrale für politische Bildung — Sudan: Hintergrund und Analyse
- Ärzte ohne Grenzen (MSF) — Einsatzberichte Sudan
- Global Witness — „Blood Gold": UAE, Russland und Sudans Goldhandel
- Al Jazeera — Sudan-Berichterstattung (laufend)
- UN Panel of Experts on Sudan, Abschlussbericht 2025 (S/2025/xxx, über UN Security Council)