Stand: 21. Februar 2026, 14:00 Uhr MEZ — Lage entwickelt sich. Quellen: Washington Post, CNN, NYT, The Guardian, CBS News, BBC, Der Spiegel, Die Zeit, Tagesschau.

Die Frage ist nicht mehr ob, sondern wann. Seit Wochen baut Washington im Arabischen Meer und im Persischen Golf eine Streitmacht auf, die nach Einschätzung aller befragten Militärexperten ausreicht, um Iran monatelang zu bombardieren. Gleichzeitig laufen Verhandlungen — wie so oft in der Geschichte des Iran-Konflikts, im Schatten von Waffensystemen, die ihre eigene Sprache sprechen.

Wir dokumentieren die Lage, wie sie sich zum Stand 21. Februar 2026, 14:00 Uhr Mitteleuropäischer Zeit, darstellt.

I. Das militärische Lagebild

Der US-Militäraufmarsch im Nahen Osten hat in den vergangenen Wochen eine Dimension erreicht, die Beobachter mit dem Aufmarsch vor dem Irakkrieg 2003 vergleichen.

Trägergruppe 1
USS Abraham Lincoln (CVN-72)
Arabisches Meer — seit ~4 Wochen vor Ort. 9 Staffeln, darunter F-35C Lightning II und F/A-18E/F Super Hornet.
Trägergruppe 2
USS Gerald R. Ford (CVN-78)
Im Anmarsch — Ankunft in der Region in Kürze erwartet. Zwei simultane Trägergruppen erhöhen Angriffspotenzial erheblich.
Luftstreitkräfte
B-2 Spirit Stealth-Bomber
Bereits in Operation Midnight Hammer (Juni 2025) eingesetzt. Fähig, GBU-57 Massive Ordnance Penetrator zu tragen — einzige konventionelle Waffe, die Fordow erreicht.
Zusätzliche Assets
Zerstörer, U-Boote, Tomahawk-Systeme
Multiple Zerstörer der Arleigh-Burke-Klasse mit Tomahawk-Kapazitäten — eingesetzt gegen Natanz in Juni 2025.

Der Spiegel schreibt heute (21. Feb.): „Die Armada könnte Iran wochenlang bombardieren." Das ist keine Übertreibung — es ist eine nüchterne Einschätzung der vorhandenen Kapazitäten.

II. Die Chronologie der letzten Tage

17. Feb.
2026
Genf-Gespräche: US-Sondergesandter Steve Witkoff und Jared Kushner treffen iranische Diplomaten. Amerikanische Kernforderung: Iran gibt seine gesamte Urananreicherung auf. Im Gegenzug: schrittweise Sanktionserleichterungen. Iran sagt, er brauche zwei Wochen zur Antwort.
Quellen: The Guardian, Reuters
19. Feb.
2026
Washington Post: „The Trump administration appears ready to launch an extended military assault on Iran." Aktuelle und ehemalige US-Beamte bestätigen: Das Pentagon hat massive Streitmacht im Nahen Osten aufgebaut. Trump-Berater sehen günstiges Zeitfenster.
Quelle: Washington Post, 19. Feb. 2026
19. Feb.
2026
CNN: „The White House has been briefed that the US military could be ready for an attack by the weekend." Gemeint ist dieses Wochenende — heute, Samstag der 21. Februar (22. Feb. ist Sonntag). Trotz laufender Verhandlungen bleibt die Angriffsplanung aktiv.
Quelle: CNN, 19. Feb. 2026
19. Feb.
2026
Trump (Board of Peace-Meeting): „Maybe we're going to make a deal, but you're going to be finding out over the next probably 10 days." Iran könne keine Nuklearwaffe besitzen; „bad things will happen" bei anhaltender Destabilisierung. Die 10-Tages-Frist läuft bis ca. 1. März.
Quelle: The Guardian, 19. Feb. 2026
20. Feb.
2026
New York Times: „President Trump is considering committing the United States to another military campaign against Iran — a decision that carries the risk of igniting a conflict that could prove to be longer, deadlier and far more dangerous than last summer."
Quelle: New York Times, 20. Feb. 2026
21. Feb.
2026
Der Spiegel (heute): Detaillierte Analyse des US-Aufmarsches. Bewertung: Die vorhandenen Assets reichen für eine wochenlange Bombenkampagne. Frage bleibt, was ein solcher Angriff strategisch erreichen würde.
Quelle: Der Spiegel, 21. Feb. 2026

III. Hintergrund: Warum ist Iran noch eine Bedrohung?

Am 22. Juni 2025 führten die USA die sogenannte Operation Midnight Hammer durch — einen koordinierten Luftangriff auf Irans drei wichtigste Nuklearanlagen. B-2-Stealth-Bomber warfen den GBU-57 Massive Ordnance Penetrator auf Fordow, die tiefstgelegene Anlage im Gebirge. Tomahawk-Marschflugkörper trafen Natanz und Isfahan. (→ Ausführlich: Operation Midnight Hammer)

Das Ergebnis: erhebliche Schäden, aber kein Ende des Atomprogramms. Iran hat Teile seiner Zentrifugen rechtzeitig verlagert, verfügt über tief vergrabene Redundanzen, und setzt die Anreicherung — wenn auch in reduziertem Ausmaß — fort. Der IAEA gelang seitdem kein vollständiger Inspektionszugang zu allen Anlagen.

Die zentrale Frage aus US-Sicht: Reicht ein zweiter, massiverer Angriff aus, um das Programm dauerhaft zu zerstören — oder schafft er nur eine neue Runde der Eskalation?

Das Kernproblem: Militärische Schläge können Anlagen zerstören, aber nicht das Wissen vernichten. Iran besitzt seit Jahrzehnten die technischen Kapazitäten und das Humankapital für ein Atomprogramm. Ein Angriff verzögert — er beendet nicht.

IV. Irans Reaktion — zwischen Verhandlung und Kriegsvorbereitung

Teheran spielt auf zwei Ebenen gleichzeitig. Öffentlich signalisiert das Regime Gesprächsbereitschaft — die Genf-Runde war der erste direkte US-Iran-Kontakt auf hoher Ebene seit Jahren. Intern bereitet sich Iran nach CNN-Berichten aktiv auf einen US-Angriff vor.

Was Iran in einer Eskalation einsetzen kann:

Der Trilaterale Pakt Iran–China–Russland vom 29. Januar 2026 (→ CRINK-Achse) schränkt Teherans diplomatische Isolation zwar ein — aber Beijing und Moskau werden Iran militärisch nicht beistehen. Sie profitieren von US-Ressourcenbindung im Nahen Osten.

V. Szenarien — was die nächsten Tage bringen könnten

Szenario A — Diplomatische Einigung (unwahrscheinlich, aber möglich): Iran akzeptiert innerhalb von Trumps 10-Tages-Frist die US-Kernforderung (vollständige Aufgabe der Anreicherung). Gegen alle historischen Präzedenzfälle — Iran hat noch nie ein strategisches Programm vollständig aufgegeben. Aber: Das Regime ist wirtschaftlich am Limit, die Protestwelle vom Dezember/Jänner hat es erschüttert (→ Iran 2026: Systemkrise). Khamenei könnte kalkulieren, dass Überleben wichtiger ist als Uranium.

Szenario B — Begrenzter US-Angriff (wahrscheinlich): USA schlagen erneut die Nuklearanlagen an, diesmal tiefer und flächendeckender. Ziel: Fordow endgültig zerstören, Anreicherungskapazität auf null reduzieren. Iran antwortet mit Raketenangriffen auf US-Stützpunkte in der Region und Israel. Regionale Eskalation, aber kein ausgewachsener Krieg.

Szenario C — Erweiterte Kampagne (NYT-Szenario): USA gehen über Nuklearanlagen hinaus und greifen IRGC-Basen, Raketensilos, Kommandozentren an — das, was die NYT als „longer, deadlier and far more dangerous" beschreibt. Risiko: Regionaler Flächenbrand, Straße von Hormus unter Druck, massive Ölpreisschocks.

Szenario D — Abschreckung wirkt: Der Aufmarsch selbst hat die gewünschte Wirkung — Iran lenkt ein, Verhandlungen intensivieren sich. Die Armada bleibt, ohne zu schießen. Trump bucht es als Verhandlungssieg.

VI. Was bedeutet das für Österreich und Europa?

Ein US-Angriff auf Iran hätte unmittelbare Folgen für Europa — unabhängig davon, ob europäische Länder beteiligt sind:

Kerneinschätzung sipol.at: Die Lage ist ernsthafter als in den Wochen vor Operation Midnight Hammer. Damals handelte Trump schneller als angekündigt. Die 10-Tages-Frist ist real — aber auch sie könnte kürzer sein. Europa sollte sich auf beide Szenarien vorbereiten: Angriff mit regionaler Eskalation, und diplomatische Lösung mit fortbestehender Unsicherheit.

Quellenverzeichnis:
Washington Post: Trump appears ready to attack Iran (19. Feb. 2026) · CNN: How Iran is preparing for a possible US military strike (19. Feb.) · The Guardian: Iran deal prospects within 10 days, Trump says (19. Feb.) · New York Times: Trump considers second Iran attack (20. Feb.) · Euronews: US military ready for Iran strike from Saturday (19. Feb.) · Der Spiegel: Iran — Aufmarsch der US-Armee (21. Feb.) · Die Zeit: USA drohen Iran mit Militärschlag (21. Feb.) · Tagesschau: Steht ein US-Angriff auf Iran kurz bevor? · BBC: What could happen if the US strikes Iran? Seven scenarios

Verwandte sipol.at Analysen: Iran 2026: Systemkrise · Operation Midnight Hammer & CRINK-Achse · Teherans langer Arm: Proxies & Hybridkrieg